Wilde Wikinger

Eine blaue WÜSTE. Mein Blick mustert den Horizont. Nach links, rechts, zurück, und straßenaufwärts. Ich sehe kein Festland mehr. Nur ein kleines Angelboot. Es bewegt sich heftig im Seegang des großen Belts. Von hier oben sieht es aus, wie eine kleine Nussschale. Es versucht sich in der Hauptströmung, der gewaltigen Meeresstraße, zu navigieren. Dabei schaukeln es die mächtigen Wellen ordentlich durch. Ich erblicke ein pilkendes Playmobilmännchen und wünsche ihm einen guten Fang. Gegönnt sei es ihm. Das Thermometer zeigt 2° Grad an. Da unten muss es fernab, von jedem ländlichen Windschutz, wie ein Frostfach sein. Ahnt er vielleicht einen außergewöhnlichen Fang?

Fels in der Brandung
Wasser, soweit das Auge reicht.

Ich befinde mich auf der längsten Hängebrücke Europas, der Storebaelt-Brücke. Mit ihren fast 3 Kilometern Länge verbindet sie die dänischen Regionen miteinander und protzt mit ihren Wassermaßen. Es kribbelt. Die Lust auf ein neues Angelabenteuer steigt ins Unermessliche. Ich hab Bock. Auf Strände, Steilküsten, Flüsse….und KANÄLE. Zum allerersten Mal begleiten mich meine Karpfenausrüstung und einige der neuen CALAfrutti-Traveller in das frostige, skandinavische Land.

Vor Ort entdeckte ich mehrere Kanäle. Allerdings hatte ich keine Ahnung von dem Besatz, der Wassertiefe oder dem Nahrungsangebot. Wenn ich ehrlich bin, war ich mir noch nicht mal sicher, ob es überhaupt Karpfen in diesen Rinnen gab. Eine Verbindung zum Meer war vorhanden, sodass ich mit Brackwasser und einem deutlichen Salzgehalt rechnete. Ein bekannter Anwohner versicherte mir, dass es in den Kanälen auch einige Rüssler gäben solle. In einigen sogar viele Fische, bis 3 Kilo. Danach erzählte er mir von einem Kanal in dem es weniger Fische gab. Dafür hörte er von einem 10 Kilo Fangerfolg. Für die Skandinavier, in ihren Breitengraden, eine echte RAKETE. Mit einem etwas mulmigen Gefühl wollte ich es auf jeden Fall dort probieren und legte meinen Fokus fest.

Kanal
Auf der Suche nach wilden WIKINGERN.

Kilometerweit fuhr ich mein Zielgewässer ab. Als ich auf seinen Brücken stand blies mir ein kalter, eisiger Wind um die Ohren. Das Loten ergab nicht mehr als 50-80 Zentimeter Wassertiefe. Na toll. Mögliches Brackwasser, eisiges Wetter, flache dazu monotone Strecken, wenige Fische, erhöhter Schleusendruck. Aber irgendwo mussten sie doch sein. Ich fand einige spannende Stellen. Schützende Brückenfeiler, einen kleinen angrenzenden Weiher mit Zulauf, Schilfgürtel und einen etwas tieferen Bereich vorm Meereszugang. Alle Stellen befütterte ich vorher noch mit CALAfrutti-Boilies, in 14 und 20 mm. Halbiert, gecrusht, mit reichlich Stickmix, Liquid, Pellets und Mais. Diese attraktive, orangige Mische sollte die wenigen, wilden WIKINGER ansprechen und zum Fressen verführen. Sollten sie denn mal vorbeikommen?

Der Norden blieb eisig, lediglich an einem Tag sollte sich mittags kurz die Sonne zeigen. Ich befischte den Bereich vor einem breiteren, strömungsarmen Überschwemmungspolder. Vielleicht ein Holding-Area. Es war dort sehr flach und ich hatte 3 Stunden in der Mittagszeit zur Verfügung. Auf einmal sah ich 2 Fische. Es waren WILDKARPFEN, die sehr scheu Patrouille zogen. Sie sahen nicht wirklich groß aus und ich zweifelte sogar, ob sie fraßen. Sicherlich einige Maiskörner, aber direkt mehrere meiner Boilies? Die trüben, kalten Wolken zogen wieder auf. Mit ihnen verschwand jede Aktion und anschließend auch ich.

Trotz andauerndem Schietwetter musste ich noch einen Versuch wagen. Früh morgens fuhr ich an einen tieferen Bereich direkt an der Ostseeküste. Ich platzierte meine Ruten mit 14 mm CALAFRUTTI Boilies in Verbindung mit Fakekörnern. Dann begann der Regen wieder, dazu lag der Platz an einer Zufahrt zu einer Mülldeponie. Dem LKW Verkehr nach zu urteilen, die einzige in ganz Dänemark. Dann begann auch noch der Schleusensog. 2×2 Meter große Inseln von Treibgut, Ästen, abgestorbenem Schilf oder Müll hämmerten in meine Schnüre. Trotz schweren Bleien verliefen sie nun fast 90 Grad Kanal kanalabwärts. Zu allem Überfluss tauchten auch noch Blässhühner an meinen Spots. Auch sie hatten den Braten gerochen. Geknickt warf ich neu.

Kanalschuppi
Sie ziehen die Rinne hoch und liefern torpedomäßige Kampfkraft.

Der Regen wurde noch schlimmer. Als der nächste LKW mit üblem Gestank vorbeirauschte, zog ich mich mit Blick auf die Ruten ins Auto zurück. Die Funke auf dem Armaturenbrett, die Klamotten durchgeweicht. Plötzlich bekam ich einen Ton. Ich schaute zur Rute. Auf einmal wieder ein Schlag. Die Blässhühner?!? Es waren keine mehr zu sehen. Wieder! Kamen die wilden WIKINGER tatsächlich die Rinne hoch? Da feuerte die Rute im Halbkreis ab. Als ich die Rute aufnahm, nahm ich am ganzen Spot Bewegungen war. Es war ein ganzer Trupp. Mein Gegenüber zog mit ordentlichem Druck durch die Rinne. Eine ganz andere Kampfkraft wie in den heimischen Baggerseen. Er glitt ins Netz. Im selben Moment flog auch die Rute stromaufwärts ab, sie waren auch dort angekommen. Plötzlich tauchte einer der besseren Fische des Kanal auf. Der Schuppi hatte prächtige Schuppen, so einen Fisch hätte ich niemals in Skandinavien vermutet und schon gar nicht in einem Kanal. Der 14 mm CALAfrutti hing ihm noch im Mundwinkel. Der Haken saß sauber. Überglücklich netzte meinen SKANDINAVIER ein. Sein Maul ist makellos, ohne Anzeichen einer Hakvergangenheit. Ein Tag aus Norddänemark den ich nie wieder vergessen werde.

Dänischer Fully
Ein unvergessliches Erlebnis. So einen Fisch hätte ich nicht in Skandinavien vermutet. Schon gar nicht in einem Kanal.
C&R
Stolz gleitet er zurück in seine nordische Heimat.
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