Wintergedanken

Es sieht aus, als würde der Himmel von roten Flüssen geflutet. Mein Atem bildet eine weiße Wolke, die mir die Sicht vernebelt. Ich ziehe mir die Kapuze weiter ins Gesicht, während sich mein Kinn in der Wärme des Schals vergräbt…

Es ist kalt geworden. Mit einem leichten Knirschen knicken die von Raureif bedeckten Gräser unter meinen Sohlen beiseite. Noch ein, zwei Schritte bis die vom kalten Dezemberwind getriebenen Wellen meine Fußspitzen küssen.

Die kalte, klare Morgenluft wirkt beruhigend, ein kleines Refugium aus der Hektik und dem Alltag. Zeit zum Sein.

„Lass mich inhalieren, die Welt da draußen lassen wie inhaftiert,

bloß alleine sein, kein Gelaber, kein Telefon, meine wirklich alleine sein.“

Während mir in der Melancholie des Moments diese Songzeilen durch den Kopf schweifen, wäge ich mich einmal mehr in der glücklichen Position, Momente wie diese, Kurzurlaube für die Seele, nahezu überall dort finden zu können, wo die beiden Lebenselemente Luft und Wasser aufeinander treffen.

Wasser fasziniert mich. Das hat es schon immer getan. Manchmal habe ich sogar das Gefühl, es lässt selbst solche Umgebungen für mich attraktiv erscheinen, denen ich bei seiner Abstinenz nicht einen Funken Aufmerksamkeit schenken würde. Der kleine verwunschene Waldsee, der Parkteich, der große Gebirgsstausee oder urbane Hafen einer Großstadt, dessen betonierte Uferstrecken mit Natur im objektivierten Verständnis wenig gemein haben. Es ist als würde das Surrounding geradezu von der Magie dieses Elements eingehüllt werden.

Als Mensch macht es das für mich einfach, selbst mit wenigen Minuten Zeit einen Ausflug in eine andere Welt zu unternehmen, in welchen etwaige Probleme des Alltags für den Moment ausgeblendet scheinen.

Als Angler macht es das für mich manchmal schwer, einen Fokus zu finden. Zuweilen sogar schwer, auch anderen wichtigen Dingen im Leben die Aufmerksamkeit zu schenken, die sie bräuchten, die sie verdienten. Dabei halte ich es für so wichtig, dass man auch andere Fahnen im Leben hochhält, Dinge feiert, die mit dem Angeln nichts zu tun haben.

„Leidenschaft kann nicht alleine sein, ist sie einsam, der einzige Fixpunkt, dann ist Leidenschaft Abhängigkeit, die uns auffrisst und nichts übrig lässt. […] Feuer braucht Luft zum Atmen und doch lässt Sturm die Flamme erlöschen“ Ein Zitat eines guten Freundes, dass ich mir hin und wieder ins Gedächtnis rufen muss, da es trotz, oder vielleicht gerade ob seiner wenigen Worte eine existentielle Notwendigkeit ausdrückt, deren Wichtigkeit unter all unserem Verlangen nicht verloren gehen darf.

Schätzt euch glücklich, dieses Kontergewicht in eurem Leben etabliert zu haben, aber nutzt es auch als ein solches!

Wintergetriebene Melancholie oder doch die notwendige Portion Rationalität in einer von Bauchgefühlen dominierten Passion? Kein Plan Mann, vielleicht auch für den Einen das Erste für den Anderen das Zweite, weder schwarz noch weiß!

Tackle ab

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